Vorbemerkung
Walther von Dyck, “Vorbemerkung,” in Nova Kepleriana: Wieder aufgefundene Drucke und Handschriften von Johannes Kepler, 4: Die Keplerbriefe auf der Nationalbibliothek und auf der Sternwarte in Paris (Munich: Bayerische Akademie der Wissenschaften, 1927), 3–4, transcribed in Plain Old Text, https://sources.vjbe.net/stable/zhehm.
Nova Kepleriana 4 1927, p. 3–4 Summary
Part of Die Keplerbriefe auf der Nationalbibliothek und auf der Sternwarte in Paris
Von Dyck explains how he found these letters of Kepler, Bartsch and Crüger in Paris at Easter 1914, why the edition was delayed by the war, and that Max Caspar shared the translation and notes; he calls for a complete edition of Kepler's correspondence.
Source: Walther von Dyck's preface to Nova Kepleriana 4: Die Keplerbriefe auf der Nationalbibliothek und auf der Sternwarte in Paris, ed. Walther von Dyck and Max Caspar, Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Math.-naturw. Abteilung 31, no. 1 (Munich, 1927), 3–4. Von Dyck (1856–1934), professor of mathematics at the Technische Hochschule in Munich, had found the letters in Paris at Easter 1914; the volume was presented to the Academy on 15 May 1926.
Transcribed from: the page images of the 1927 printing.
Spaced type, used for emphasis and for names, is given in italics; line-end hyphens are rejoined.
Die Herausgabe einer Reihe von Drucken und Handschriften von Johannes Kepler, die ich vor dem Kriege an verschiedenen Orten wieder aufgefunden habe, ist durch den Krieg unterbrochen und weiterhin durch Amtsobliegenheiten verzögert worden. Ich hatte sie damals mit der Veröffentlichung zweier auf der Münchner Staatsbibliothek aufgefundener „Prognostica” der Jahre 1604 und 1624 (diese Abhandlungen Band XXV, 5), mit dem in Wittenberg entdeckten „Glaubensbekenntnis” aus dem Jahre 1623 (Abhandlungen Band XXV, 9) und mit einem Briefwechsel Keplers mit Edmund Bruce von 1603 (Abhandlungen Band XXVIII, 2), der sich in der Bibliothek des Britischen Museums in London befindet, begonnen.
Nunmehr veröffentliche ich an vierter Stelle einen Brief von Kepler an den Secretarius des Kurfürsten von Sachsen, Johannes Seussius, aus dem Jahre 1622 und Briefe an den Leipziger Professor Philipp Müller vom Jahre 1622 und aus den letzten Lebensjahren Keplers, die ich bei einem Aufenthalt in Paris zu Ostern 1914 in der Nationalbibliothek und in der Bibliothek der Sternwarte dortselbst aufgefunden und zusammengestellt habe. Ich füge ihnen, wegen ihrer unmittelbaren Beziehungen zu Kepler noch Auszüge von Briefen des Schwiegersohnes von Kepler, Jacob Bartsch und des Danziger Astronomen Peter Crüger an Philipp Müller an, die mit weiteren Briefen an diesen einer auf der Nationalbibliothek in Paris befindlichen Sammlung von Handschriften und Briefen astronomischen Inhalts angehören.
Die Veröffentlichung dieser Briefe auf Grund von photographischen Aufnahmen ist mir damals von der Leitung der Nationalbibliothek wie der Pariser Sternwarte mit dankenswerter Bereitwilligkeit gestattet worden.
Bei der Übersetzung des Textes, deren Beigabe mir nahegelegt worden ist, sowie bei der Redaktion der Anmerkungen habe ich mich der Mitarbeit von Herrn Professor Max Caspar vom Gymnasium in Rottweil zu erfreuen gehabt, der schon durch seine vortreffliche Übersetzung des Jugendwerkes von Kepler, seines Mysterium cosmographicum sich den Dank aller Keplerfreunde erworben hat und der sich auch weiterhin der Herausgabe und Interpretation der Werke Keplers zu widmen gedenkt. Herr Professor P. Lehmann der hiesigen Universität hat, unterstützt von seinem Schüler B. Bischoff, in dankenswertester Weise die lateinischen Texte mit der photographischen Wiedergabe der Originale verglichen.
Die Anmerkungen zu den Briefen sind ausführlicher gehalten und greifen historisch weiter aus, als es für den unmittelbaren Zweck vielleicht notwendig scheinen mag. Die Persönlichkeit Keplers und der Kern seiner uns oftmals wunderlich erscheinenden Gedankengänge können aber nur im Zusammenhang mit jener, Gärung, Umsturz und Erneuerung in sich tragenden unglücklichsten Epoche unserer Geschichte richtig gewürdigt werden. So wollen auch die vorliegenden Darlegungen als Vorarbeit zu einer in Mitte der Zeit gestellten Gesamtdarstellung von Keplers Lebenswerk verstanden sein. Für diese kommt, wenn schon eine neue Gesamtausgabe der Werke, wie sie mir vorschwebt, wegen der hohen Kosten noch nicht sobald sich wird verwirklichen lassen, in erster Linie eine vollständige Ausgabe des Briefwechsels in Betracht, denn gerade hier spricht Keplers Wesensart am eindringlichsten zu uns und umgekehrt sind Keplers Briefe eines der bedeutendsten Dokumente der Kulturgeschichte jener Zeit. Möchte es gelingen, diese Ausgabe als einen ersten Teil der Gesamtausgabe der Werke in Bälde durchzuführen.
Walther von Dyck.